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Funktionen und Aufnahmedynamik von Bor

18/03/2021

Das Element Bor wird bisher für die menschliche Ernährung nicht als lebensnotwendig eingestuft, da hierfür bis heute keine abschließenden Beweise gefunden werden konnten. Für Pflanzen hingegen ist Bor ein essenzielles Spurenelement. Hier ist es am Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt, Bestandteil der Zellwände und partizipiert darüber hinaus an der Nucleinsäure-Synthese. Aufgrund der Beteiligung an der Synthese von Stärke und Eiweiß beeinflusst Bor weiterhin die Frosttoleranz positiv. Da es Phytohormone deaktivieren und aktivieren kann und Einfluss auf die Gewebedifferenzierung nimmt, beeinflusst es auch die Stomata-Regulation, Zellteilung, Fruchtbarkeit und das Wurzellängenwachstum. Da Bor überwiegend fest in die pflanzlichen Strukturen integriert wird, ist es schlecht remobilisierbar und muss dementsprechend kontinuierlich von der Pflanze aufgenommen werden.

Kann dies nicht gewährleistet werden und ein B-Mangel tritt auf, wird dieser meist gar nicht bemerkt, da der Mangel latent vorliegt und so trotzdem zu Ertragsminderungen und Qualitätsdefiziten führt. Beispielsweise kann der Zuckergehalt der geernteten Rüben unerwartet gering ausfallen, wobei zuvor keine Mangelsymptome im Aufwuchs zu beobachten waren. Hier empfehlen sich Pflanzen- und Bodenanalysen auf Spurenelemente. Da Bor, wie zuvor erwähnt, schlecht wieder innerhalb der Pflanze mobilisiert werden kann, treten sichtbare Mangelsymptome an den jüngsten Blättern auf. So sind diese verformt oder aufgehellt. Eine Chlorose und die Hemmung des Sprossspitzenwachstums geht zu Nekrosen mit Braun- oder Schwarzfärbungen über. Weiterhin kann es zu einer gestörten Entwicklung oder einem Absterben des Vegetationskegels kommen, welches bei der Zuckerrübe als Herz- und Trockenfäule zu beobachten ist. Im Raps führt Bormangel jedoch zu einer gestauchten Wuchsform und reduzierter Blütenbildung. Luzerne, Zuckerrübe, sowie Raps und andere Kreuzblütler haben auch den höchsten B-Bedarf und neigen zu B-Mangel, während der Borbedarf von Getreide und anderen Gräsern eher als gering einzustufen ist. Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass eine B-Überversorgung aufgrund einer phytotoxischen Wirkung, zu Nekrosen an Blattspitzen und Blatträndern führen kann. Dies ist im deutschen Klima allerdings nur bei massiver B-Überdüngung zu erwarten.

Die Pflanze nimmt Bor über die Wurzeln überwiegend als Borsäure (H3BO3) auf. Diese Borsäure liegt vor allem bei niedrigen Boden-pH-Werten ungebunden vor und ist so für die Pflanze verfügbar. Leider wird die Borsäure dann gerade auf sauren, sandigen oder schluffigen Standorten, in deutlich höheren Mengen ausgewaschen, als Einträge durch Niederschläge zu verzeichnen sind. Diese negative Bilanz kann durch Anhebung des pH-Wertes und einer Bordüngung angehoben, bzw. ausgeglichen werden. Neben der Auswaschung, ist ein Bormangel der Kulturpflanze, jedoch auch bei hohen Bor-Bodengehalten möglich. So kann es bei pH-Werten über 6 als Borat fest an Kalk adsorbiert werden, weshalb aber nicht so einer absichtlichen Versauerung des Bodens geraten werden kann. Schließlich wird die Verfügbarkeit von Makronährstoffen, wie N, P und K bei pH-Werten unter 6,5 deutlich reduziert. 

Zum einen wird Bor an Aluminium- und Eisenoxide, sowie an die Oberfläche von Tonmineralen gebunden. Zum anderen bindet Bor auch an organische Substanz. Die zuvor genannten Bindungseffekte führen dazu, dass die Verfügbarkeit einerseits bei hohen pH-Werten und anderseits auf Ton- und Humus-reichen Böden, trotz relativ hoher Bodengehalte, zu niedrig für die Versorgung von mangelanfälligen Pflanzenarten ist. Dementsprechend steigen die empfohlenen B-Bodengehalte auch in zwei Richtungen, also mit steigendem Lehm- und Tongehalt sowie bei pH-Werten über 6, deutlich an.

Ein weiterer Effekt, der die Verfügbarkeit des Bors im Boden deutlich senken kann, entsteht in trocknendem Boden an den Austauschoberflächen der Tonminerale. Durch Polymerisierung entstehen hier Polyborat-Ionen. Ein ähnlicher Vorgang ist auch auf Böden mit einem hohen Salzgehalt zu beobachten. Zu der geringeren Mobilität in der Bodenlösung kommt bei Trockenheit also noch eine Festlegung in eine nicht pflanzenverfügbare Form. Trockenfixiertes Bor wird bei einsetzender Feuchtigkeit wieder gelöst, allerdings geschieht dies so langsam, dass ein temporärer Mangel auch bei ausreichenden Bodengehalten zu erwarten ist.

Ein Bormangel ist also sowohl bei niedrigen als auch bei hohen pH-Werten möglich und wird auch durch äußere Faktoren, wie dem Gehalt der organischen Substanz im Boden oder Wassergehaltsschwankungen beeinflusst. Insbesondere in empfindlichen Kulturen empfiehlt sich deshalb die Untersuchung der Bodengehalte und eine anschließende Einordnung anhand der zuvor genannten Parameter. Neben einer Bodendüngung auf die empfohlenen Gehaltsstufen, abhängig vom gegebenem pH-Wert und der Bodenart, sollten temporäre Mangelerscheinungen (z.B. durch zu trockene Bodenbedingungen in physiologisch wichtigen Phasen, wie der Blüte oder dem Schossen) zeitig per Blattdüngung vor dem Auftreten von Ertragsverlusten oder Symptomen unterbunden werden. Für die gleichzeitige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Kombination mit einer Bor-Blattdüngung können wir Ihnen Complesal® B Max pH empfehlen. Dieses Produkt wird, durch seine spezielle Formulierung und einen daraus resultierenden Puffereffekt, den pH-Wert Ihrer Spritzbrühe konstant bei 7 halten und so eine Wirkungsminderung der PSM verhindern. Weiterhin dienen die Complesale der Wasserenthärtung und tragen weiterhin als Haftmittel, zur Pflanzenschutzmittelwirkung bei.

Falls Sie Fragen zu den Complesal®-Produkten haben, stehen Ihnen selbstverständlich unsere Mitarbeiter telefonisch und per E-Mail zur Verfügung.

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Quelle: Amelung, Wulf, et al. Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde. Springer-Verlag, 2018.